Röselein, Röselein!

 


Röselein, Röselein,
 Müssen denn Dornen sein? 
Schlief am schatt'gen Bächelein
 Einst zu süssem Träumen ein,
 Sah in goldner Sonne-Schein
 Dornenlos ein Röselein,
 Pflückt' es auch und küsst' es fein,

 "Dornloses Röselein!" 
Ich erwacht' und schaute drein:
 "Hatt' ich's doch! wo mag es sein?"
 Rings im weiten Sonnenschein
 Standen nur Dornröselein!
 Und das Bächlein lachte mein:
 "Lass du nur dein Träumen sein!
 Merk' dir's fein, merk' dir's fein,
 Dornröslein müssen sein!"
  

 

Wilfried von der Neun (Friedrich Wilhelm Traugott Schöpff) (1826-1916)

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