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Buch und Rose |
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Ein altes Buch in pergamentnem Band, Jahrhunderte vielleicht nicht aufgeschlagen - Weil fremd erklingt sein Wort aus fremden Land, Und alte Dichter wenigen behagen - Ein altes Buch fiel jüngst mir in die Hände, Und wie ich träumend seine Blätter wende, Und Moderstäubchen wirbelnd mich umfliegen, Seh staunend ich in seinem Schoß verdorrt, Doch Lenzensduft noch hauchend fort und fort, Verblichen, farblos eine Rose liegen. |
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Wo blühte sie? - Vielleicht am Elbrostrand? - Denn dorther stammen Dichter, Buch und Lieder - Vielleicht einst von Alhambras Marmorwand Hing duftend sie an schwankem Zweige nieder? Und wer sie brach? War's eine Frauenhand: Die flüchtend sie in dies Asyl geborgen? Empfing ein Ritter sie als Liebespfand Am Abend, und vergaß sie hier am Morgen? Schloß Absicht, Zufall sie in diesen Band, Ein stummer Gruß, den Liebe gab und fand Ein Zeichen nur für eine Musterstelle? Wer weiß es? - Riß des Zeitenstromes Welle Doch alle fort in rascher dunkler Flut, Die einst sie pflückend sich an ihr erfreuten, Die hier sie wahrten, oder hier verstreuten; Nur sie in ihres Dichters treuer Hut, Nur sie, on auch vertrocknet und verdorrt, Sie duftet Lenzenshauch noch fort und fort! |
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Ich aber sah auf Buch und Rose nieder, Und Tränen netzten mir die Augenlieder, Und deine Züge stiegen klar und rein Vor mir empor in hellem Strahlenschein, Und diese Worte hallten in mir wider: "Hüll Nacht und Dunkel meinen Namen ein! Sie legte in die Blätter meines Lebens, In dieses Buch verlornen eitlen Strebens, Der Liebe frische Rose mir hinein! Bedecke Staub fortan den armen Band, Und liegt er unberührt, unaufgeschlagen, Und flieh der Lenz mit seinen Sonnentagen, Der sie und mich einst frisch und glücklich fand, Wie Traum dahin im Schwall er Zeitenflut, Es blüht in ihres Dichters treuer Hut Die Rose doch; es haucht ein Tag, ein Wort Mir Lenzensduft durchs ganze Leben fort." (Modernisierte Fassung) |
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Friedrich Halm (1806-1871) |