Rosen
Rosen, Schalen aus Blut,
Sprühen im Morgentau,
Wie eure sanfte Glut
Brennt vor dem Ätherblau
 
Jetzt wo die Nacht hinweicht,
Hebt ihr das Angesicht,
Wiegt euch im Winde leicht,
Badet im Sonnenlicht.
 
Glanz nur noch, nur ein Duft,
Weihrauch und Opferbrand,
Tief aus der Erdengruft 
        Hoch hin ins Sonnenland.
 
Rosen, weinend gepreßt,
Rosen, lachend gepflückt,
Rosen ob trunkenem zum Fest,
Rosen, den Toten geschickt.
 
Rosen aus Steinfiligran,
Rosen, in Wappen stolz
Rosen um Flöten des Pan,
Rosen am Kreuzesholz.
 
Was euch ins Leben hob,
Uraltes Schöpfungswort,
Stammelnd in Preis und Lob
Haucht ihr es fort und fort.
 
Ins Ungeschaffene tief
Ein Beben drang,
Als Gott die Rose rief 
Zum Aufgesang.
 
Sie glutete voll Pracht
Durchs Paradies,
Sie trat aus langer Nacht
So morgensüß.
 

Ach, dieses Rosenlied
hat Worte nicht,
Wo eine Rose blüht, 
Da singt das Licht...
 

Eberhard Clemen (1910- ? )

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