Das traurige Röslein
       Ein Röslein war gar nicht munter,
       Weil es im Topfe stand,
       Sah immer traurig hinunter
       Auf die Blumen im freien Land.
       Die Blumen nicken und winken.
       Wie ist es im Freien so schön
       Zu tanzen und Tau zu trinken
       Bei lustigem Windeswehn.


                                                                                     
Von bunten Schmetterlingen
                       
Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;
                       
Dazwischen der Vöglein Singen 
                       
Anmutig zu hören ist.
                       
Wir preisen dich und loben
                       
Dich, fröhliche Sommerzeit;
                       
Ach, Röslein am Fenster droben,
                       
Du tust uns auch gar zu leid.

     Da ist ins Land gekommen
     Der Winter mit seiner Not.
     In Schnee und Frost verklommen
     Die Blumen sind alle tot. 
     Ein Mägdlein hört es stürmen,
     Macht fest das Fenster zu.
     Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,
     Du liebes Röslein du. 

         Wilhelm Busch (1832-1908)

 

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